Report – Taschachwand

Pfingstsonntag. Es ist 3.15 Uhr. Die ersten Kandidaten stehen auf und verlassen das Lager. Stolpern dabei über meine Matratze im übervollen Winterraum des Taschachhauses. Ich liege wach, zähle die halbe Stunde runter, bis wir aufstehen wollen und bin dankbar, als mein Wecker endlich das Startsignal gibt.

Kaffee kochen, drei Eiwaffeln (exakt rationiert, da wir für zwei Tage nur 12 dabei haben) und dann geht es in die nicht zu dunkle Nacht. Das ist das schöne am Sommer, man ist in den Ostalpen nicht besonders lang im Dunkeln unterwegs. Zunächst geht es ein Stück bergab, um dann in einer guten Stunde am Fuss der Taschachwand zu landen. Die Wand ist etwa 600m hoch und eher mäßig geneigt. Wir haben uns am Vorabend eine Linie ausgesucht, die im linken Wandbereich liegt und die kleine Wechte am oberen Ende der Wand nicht konsequent über sich hat. Die meisten Kandidaten steigen rechts von uns. Taschachwand - Juni 2014

Die Höhe macht mir zu schaffen, ich keuche ziemlich und bin von der Schwere des Rucksacks nicht gerade begeistert. Es wird langsam hell und die Sonne erreicht das obere Ende der Wand. Wir kommen einigermaßen gut voran, durch die guten Schneebedingungen können wir die Wand seilfrei in Angriff nehmen – was wiederum den Rucksack schwer bleiben lässt.

Etwa zur Wandmitte wird es dann steiler und mit weniger Schneeauflage muss die Konzentration stimmen. Tut sie in unserem Fall. Auch die anderen Seilschaften vor uns haben keine Probleme beim Durchstieg der Wand. Viele sind noch mit Ski am Rucksack unterwegs, die wir uns gespart haben. Später im Abstieg werde ich sie nicht vermissen, was viel daran liegt, dass ich kein besonders guter Skifahrer bei sulzigem, schwerem Schnee bin. Und zwischen Hütte und Parkplatz liegt ohnehin kein Schnee mehr.

Meine Eisgeräte (Petzl Quark) begeistern wie immer. Die verschiebbare Fingerauflage erlaubt mir maximale Kontrolle in den Segmenten, die nicht mehr mit aufgestütztem Pickel gegangen werden können. in der wandIch klettere die gesamte Wand in der Berghaus Mount Asgard Jacke, was mitunter etwas warm wird. Am Ausstieg und im Wind bin ich dann aber dankbar für den Windschutz. Zumal ich oben dann konditionell schon kurz vor leer bin. Axel will den Abstieg unbedingt über den Gipfel der Petersenspitze gehen und somit erfreue ich mich an weiteren Höhenmetern, die so unsinnig erscheinen, dass sie doppelt schmerzen. Zumal ich mich auch an meinen Müsliriegeln nicht mehr freuen kann. Zu trocken und staubig schmerzen sie beinahe beim essen.Anstieg Petersenspitze

Der Abstieg zur Hütte in immer tieferem Schnee ist dann nicht unbedingt mehr ein Highlight, aber was will man machen. So ist das nun einmal im Sommer.

Auf dem Rückweg entscheiden wir dann, nach einem kurzen Mittagsschlaf noch abzusteigen. Die Schneebedingungen sind wenig erfreulich und uns fehlt Elan und Perspektive für eine weitere Tour. Mein erster Gedanke nach der Entscheidung ist, dass ich mich über die nicht gegessenen Eiwaffeln ärgere.

Alles in allem jedoch eine spannende Tour, trotz konditioneller Engpässe und nicht mehr schmeckender Müsliriegeln. Insbesondere die Berglandschaft wusste diesmal zu beeindrucken. Aus diesem Grunde noch einmal das Panorama vom Taschach-Hochjoch.

Panorama Taschach Hochjoch

post scriptum: und natürlich ein paar Fotos vom Eis-Bouldern am Vortag.

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