Abrechnung mit einem Chamäleon

Deutschsprachige Artikel schreibe ich häufig ja nur, wenn ich auf die Genauigkeit im Ausdruck angewiesen bin, die ich nur in meiner Muttersprache zu Stande bringe. Und in der Regel bedarf es der Genauigkeit wiederum um meiner Polemik Ausdruck zu verleihen.

Abermals wird mit einer Hütte abgerechnet und ich muss erneut einige Fragen aufwerfen, was Menschen in den Bergen angeht. Zunächst sei in aller Deutlichkeit gesagt, dass ich niemanden aus den Alpen vertreiben möchte. Ganz im Gegenteil, ich freue mich über all die, mit denen ich die Schönheit der Natur genießen kann. Meine Arroganz und nicht selten die Ignoranz der Menschen um mich herum sind es aber dann, die Artikel wie diesen befördern.

Und wenn sich solche Kandidaten gesammelt auf einer Hütte rumtreiben, dann wird das vernichtende Urteil schnell gefällt. Dabei wird die Hütte natürlich auch ein wenig Opfer, schließlich kann sie nichts dafür, dass man Jahrzehnte nach ihrem Bau eine Seilbahn direkt neben ihr gebaut hat. Aber mit dem neuen Publikum muss sie nun fertig werden. Und zweifelsohne hat sie ihren Charakter schon danach ausgerichtet. Der wurde bereits von der SZ geschildert: Chamäleon am Berg. „Ibis Hotel am Berg“ wird die Hütte hier genannt. Selten traf eine Beschreibung besser. Was leider auch auf die Klientel zutrifft. Während ich im Trockenraum bei der Ankunft noch rätseln konnte, warum dort denn keine Steigeisen und Pickel liegen, wurde die Antwort im Verlauf der kommenden Stunden deutlich. Für einige war wohl kein Platz in den mitgebrachten Rollkoffern (ich wünschte, das wäre ein Witz – Es ist keiner). Andere Übernachtungsgäste deuteten schon mit der späten Schlafenszeit an, dass sie am nächsten Tag maximal noch den Weg talwärts mit der Bergbahn antreten würden. Dass die entsprechenden Kandidaten fröhlich mitten in der Nacht im Lager das Licht anmachten, komplettiert das Bild. Und mit einem trotz Ohropax einwandfrei zu vernehmenden Schnarcher war es alles andere als eine erholsame Nachtruhe. 

Der nächste Morgen brachte dann noch ein wenig Regen und schlechte Sicht. Somit war das geplante Gipfelziel und der Gletschergang vom Tisch. Wir konnten mit bereits abgestimmter „worst-case“-Tour der Hütte endlich den Rücken kehren, um zum Abschied noch ein alpinistisches Highlight geboten zu bekommen: Flip-Flops tragend, komplett in Jack Wolfskin Montur vor der Hütte eine rauchend… nun ja, manche Dinge muss man einmal gesehen haben und kehrt ihnen dann für immer den Rücken.

 

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