Watzmann-Überschreitung

[bearbeitet am 5.8.2012]: Meine Statistik zeigt an, dass dieser Artikel mit den Google-Suchbegriffen „Watzmannüberschreitung Hocheck Anfänger“ gefunden wurde. Deshalb vorab (ergänzt) in aller Deutlichkeit: Dies ist KEINE Anfänger-Tour!!! Sie ist technisch nicht geschenkt und fordernd durch die konditionelle Anstrengung. Man kann sicherheitshalber mit 10 Stunden Tour rechnen, wobei die Möglichkeit zur Verpflegung erst wieder an der Wimbachgrieshütte gegeben ist (das schreiben auch alle Tourenführer). Dieser Artikel mag sich stellenweise so lesen, als sei es ein lustiger Sonntagsspaziergang. Dem ist nicht so. Insbesondere im Abstieg muss man durchweg voll konzentriert sein. Ich fürchte, dass ein bergsteigerischer Anfänger diese Konzentration und Kondition noch nicht aufbringt.

Zur Gewöhnung an diese Tour könnte man zum Beispiel den Hochkalter überschreiten (der Abstieg ins Ofental ähnelt dem am Watzmann, ist aber deutlich kürzer). Oder man schaut einmal, wie man mit Tiefblicken zu Recht kommt, indem man den Alpspitz-Klettersteig begeht. Alles dennoch keine Garantie, dass es am Watzmann klappt.

__________________

Wie geplant stand das vergangene Wochenende ganz im Zeichen einer langen Tour. Dazu bietet sich die Watzmann-Überschreitung zweifelsohne an. Eine faszinierende Gratwanderung über den Watzmann und dann zurück durchs Wimbachgries.

Vorab sei gesagt: Man muss im Sommer unbedingt am Watzmannhaus reservieren! Ohne Reservierung geht vermutlich gar nichts, die Hütte war komplett voll, als wir dort waren. Das macht es insbesondere durch die schmaleren Betten zu einer bedingt komfortablen Nächtigung. Preislich scheint aber das Zimmerlager eine echte Alternative (dies schreibend wird mir bewusst, dass ich alt werde).

Der Aufstieg zur Hütte ist mit 4 Stunden angeschrieben, wobei ich wirklich in Frage stellen möchte, wie man auf diese Zahl kommt. Die neuen, gelben DAV-Schilder sind meiner Meinung nach wahnsinnig missweisend. Sicher, wir waren beim Aufstieg besonders schnell unterwegs, aber auch bei späteren Schildern entlang des Weges hatten wir nicht das Gefühl, als würden diese a) einheitlich kalkuliert sein und b) den richtigen Eindruck vermitteln.

Nach dem Hüttenaufstieg und dem obligaten Bergsteigeressen ergab sich dann die Chance, noch ein paar Fotos zu machen:

 

Der Watzmann selbst hüllte sich leider in Wolken. Der Abend konnte dann mit einigen, auf der Hütte vorhandenen, Gesellschaftsspielen ausklingen. Interessanterweise waren einige Wanderer dort, die zum ersten Mal eine Hüttenübernachtung gemacht haben. Spannend zu sehen, welche Gedanken einem dann durch den Kopf gehen und für

mich ja auch noch nicht so lange her, dass ich angefangen habe, auf Hütten zu schlafen. Sollte ein Neuling diese Zeilen lesen, nur zwei Dinge sind wirklich notwendig: Ohropax und Stirnlampe. Es gibt mit hoher Wahrscheinlichkeit im Lager jemanden der schnarcht. Und wenn um 22 Uhr das Licht gelöscht wird und man noch einmal raus muss, ist die Stirnlampe unumgänglich. Frühstück gibt es auf dem Watzmannhaus ab 6 Uhr. Wir hatten schon am Vorabend entschieden, das auszulassen und direkt loszugehen. Für den Grat braucht es wirklich die Möglichkeit, im eigenen Tempo gehen zu können. Warten oder überholt werden sind hier meiner Meinung nach keine Option. Um halb acht konnten wir dann am Hocheck den ersten Gipfel des Watzmann genießen.

„Helm auf und weiter“, nur um dann überrascht festzustellen, dass eine Gruppe in der Biwakhütte auf dem Gipfel übernachtet hatte. Diese blieb aber noch ein wenig zurück, sodass der Grat vor uns frei war wie die Autobahn nach Garmisch morgens um 4 Uhr. Der Einstieg in den Grat stellt dann, laut Beschreibung, auch den kritischsten Teil der Überschreitung dar. Man muss sich tatsächlich zunächst daran gewöhnen, die Sicherheit gegen das Erlebnis einzutauschen. Aber sobald das im Kopf angekommen ist, startet die Faszination. Relativ bald erreichten wir die Mittelspitze. Optisch scheinen die Gipfel kaum einen Steinwurf auseinander, aber man steigt (auch zwischen Mittel- und Südspitze) immer wieder auf und ab.

Mit einigen Tiefblicke in die Ostwand ging es dann zügig von Mittelspitze gen Süden. Die um nur einen Meter niedrigere Südspitze erreicht man dann nach etwa 2 Stunden. Leider gibt es davon zu wenig Fotos, wir hatten es auf Geschwindigkeit angelegt und ich hätte die Kamera nicht konsequent um den Hals tragen wollen.

Nach der Südspitze kommt dann der überflüssigste Part der Tour. Der lange, steile Abstieg ins Wimbachgries. Hier darf man sich keinen Fehler erlauben, sollte unbedingt den Helm aufhaben und braucht viel Konzentration. Insbesondere die vielen Schotterstücke haben mir die Freude ziemlich eingetrübt. Entschädigen kann dafür aber der geniale Blick und das Gefühl der Abgeschiedenheit. Richtung Süden gibt es kein Zeichen von Zivilisation! Großartig!

Im Wimbachgries geht es dann unschwierig gen Parkplatz. Die Wimbachgrieshütte kann man sich meiner Meinung nach sparen und stattdessen weitergehen Richtung Wimbachschloss. Das sah deutlich gemütlicher aus und die Speisenauswahl an der Hütte war auch eher als moderat zu bezeichnen.

Alles in allem eine brachiale Tour! Für jeden, der sich auf langen Gratwanderungen wohl fühlt, genau die richtige Unternehmung.

Advertisements

3 Gedanken zu “Watzmann-Überschreitung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s