„Shut up body and do what I tell you“

Um den von Axel häufig zitierten Jens Voigt hier zu Wort kommen zu lassen, „Shut up body and do what I tell you“ trifft den Nagel auf den Kopf.

Was für ein Abschluss einer durchwachsenen Saison. Nach langem Schneemangel und dann durchaus widrigen Bedingungen (die uns den Drei-Königs-Ski-Trip gekostet haben) solch ein Finale. Letzte Woche die Alpspitze, die sicher eine der schönsten Touren war. Und nun der Palü.

Um mit dem Ende zu beginnen: Völlig leer liege ich auf dem Sofa und tippe das hier, um die Gedanken ein wenig zu sortieren und sie möglichst frisch festzuhalten. Für mich ist es immer wieder schwierig, aus den Bergen zu kommen und umzuschalten. Bergtouren sind eigentlich immer zu einem gewissen Punkt Stresssituationen. Was man ja auch unbedingt haben möchte. Eindrücke und Erlebnisse werden dadurch schließlich intensiver. Viel mehr aber kann man mit jedem Schritt den Stress ein wenig abbauen. Ein Stückchen mehr in Sicherheit zurückkehren. Das ist so absurd, dass es mich selbst immer wieder überrascht. Man denkt eine Woche lang an die nächste Tour, fährt los, ist am Berg, und denkt an zuhause. Und an die Menschen, die einem wichtig sind.

Aber zurück zur Saison und wie ich an diesem Ostersonntag auf meinem Sofa gelandet bin. Wirklich begonnen mit der Vorbereitung habe ich Ende Oktober/ Anfang November. Am Taschachhaus, ohne Ski, nur als Training und Materialtest. Wobei ich mich selbst am meisten dafür schelte, Bergtouren als Training zu bezeichnen. Im Grunde sind sie das nie. Jeder noch so kleine Hügel vermag es, mit einem Wetterumschwung durchaus bedenklich zu werden.

Dann folgten einige Touren, wie erwähnt fiel die Tour Anfang Januar der Lawinenlage zum Opfer (was uns dann in Ljubljana enden ließ). Die zwei Versuche am Schrankogel stellen sicher den Punkt der Saison dar, an dem unsere Leidensfähigkeit am meisten geprüft wurde. Als bei minus 30 Grad der Fellkleber in die Knie ging, war es eigentlich um den Erfolg bestellt. Beim zweiten Versuch gaben wir der nicht ganz einschätzbaren Wetter- und Schneelage nach. Und das, obwohl wir nicht von der Hütte sondern aus dem Tal gestartet waren und perfekt in der Zeit lagen. Naja, der Berg wird nächstes Jahr noch da sein…

Immer mal wieder war diesen Winter auch ein Wochenende in Regensburg eingestreut, mit ersten Kilometern auf dem Rennrad oder sonntäglichem Training am Arber.

Den Piz Palü kannte ich schon von meinem Trip durch die Alpen im Spätsommer 2009. Ein faszinierender Anblick! Die Bezeichnung „Festsaal der Alpen“ ist wahrlich die richtige Formulierung. Auf der Diavolezza könnte ich den ganzen Tag aus dem Fenster schauen und würde mich nicht langweilen. Das weite Rund der Bernina präsentiert Dimensionen, die man so in den Ostalpen einfach nicht findet. Nachdem Niels und ich mit der Fehleinschätzung von Entfernungen in Zermatt schon einmal Erfahrungen gesammelt hatten, wollte ich mich die gesamte Tour über nur an den vor uns steigenden Seilschaften orientieren. Damit ließen sich die Zwischenziele viel besser einschätzen, frei nach dem Motto „Die drei Schweizer sind jetzt da, dann erreichen wir den Punkt in einer halben Stunde“.

Ansonsten kann man zur Tour wenig mehr sagen als „grandios“. Das Wetter war nicht perfekt, aber mit etwas Geduld haben wir auf der Abfahrt die null-Sicht-Phasen überstanden. Der Schnee teilweise neu, in einem Nordhang… besser geht’s nicht. In unserem Tourenaufbau gab es demnach absolut nichts zu bemängeln, verwundert muss man aber auf die Akrobaten zurückblicken, die den Grat in Seilsicherung begehen wollten (quer durch andere Seilschaften). Auch ein Berg wie der Palü scheint also nicht im Stande zu sein, diejenigen Leute abzuschrecken, die dort nichts verloren haben, weil sie mit ihrer technischen Inkompetenz andere in Gefahr bringen.

Nachdem die Erkenntnis aber nicht wirklich überraschend kommt, schließe ich die Wintersaison 11/12 mit genialen Erinnerungen, der Vorfreude auf sonnige Rennrad-Wochenenden und den Winter 12/13.

Mein herzlicher Dank gilt Axel als Bergkamerad auf der Vielzahl dieser Touren.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s