Andi im Interview

Andi habe ich ja schon in dem vielbeachteten Artikel zum Brothers Bikes Team gelobt. Die Promotion und der Leistungssport unter einem Hut verdienen wirklich Respekt. Nachdem wir es nun endlich geschafft haben, einmal wieder gemeinsam traineren zu gehen (was für mich nicht unbedingt eine Sternstunde wurde, aber die Jungs waren nachsichtig), hier ein kleines Interview, das die Hintergründe beleuchten soll.

Offen gestanden würde ich lieber weiter Amateur-Radsportler interviewen als nur einmal einen Profi. Denn am Ende des Tages sind deren Geschichten vermutlich sehr änhlich (Lance an dieser Stelle einmal ausgeklammert!).

Hier also exklusiv Andi im Interview.

Andreas, erzähl mal, wie du zum Radsport gekommen bist?

Eigentlich war der Radsport 1997 eine Notlösung für mich. Ich war damals mit über 130 kg stark übergewichtig. Und ich wusste, dass das Abnehmen nur in Verbindung mit Sport klappen konnte. Grund für die Diät war meine erste große Liebe. Naja, und irgendwann ist aus dem Pflicht-Sportprogramm meine größte Leidenschaft geworden. Sowohl das sportliche Niveau wie auch das Material verbesserte sich von da an stetig.

In all den Jahren, die du jetzt „im Geschäft“ bist, welches war dein bestes Jahr?

Rein von der Leistung her gesehen würde ich sagen war 2011 mein bestes Jahr. Fast 50 Rennen, bis auf ein Lizenzrennen alles im Hauptfeld oder in Spitzengruppen beendet, ein paar Mal Preisgelder eingefahren. Vom Spaßfaktor her würde ich mein bestes Jahr aber in 2010 sehen. Die unzähligen Rennen, die wir zusammen gefahren sind, soviel Spaß wie zu der Zeit hatte ich seitdem bei weitem nicht mehr. Und meinen emotional schönsten Sieg konnte ich dank deiner Hilfe in Pleisdorf einfahren. Ein „kleines und unwichtiges“ Rennen. Aber wir zwei haben damals als Team einfach perfekt funktioniert!

Warum?

Siehe vorherige Frage.

Und dein schlechtestes? Wie kam es dazu?

Ich denke, das war 2004 oder 2005. Damals war ich absolut übertrainiert. Ich bin wochenlang nicht ohne 100 km am Tag vom Rad gestiegen. Schlechte Leistungen in Rennen versuchte ich durch noch mehr Training zu kompensieren. Ein Teufelskreis. Sogar in meinen Lieblingszeitfahren habe ich mit deutlichen Verschlechterungen im Vergleich zum Vorjahr kläglich versagt. Am Jahresende hatte ich fast 25000 km auf dem Tacho, einen absolut leeren Akku und habe dann wochenlang nicht mehr trainieren können. Zumindest habe ich in diesem Jahr eine wichtige Erfahrung fürs Leben gewonnen.

Nach einigen Jahren in Regensburg bist du jetzt in Marburg. Hat der Radsport bei der Gewöhnung an die neue Heimat geholfen? Oder war es eher andersrum und du sehnst dich nach deinen Regensburger Stammstrecken?

Natürlich sehne ich mich nach meinen Stammstrecken und besonders nach meinen zurückgelassenen Freunden. Und ich arbeite auch daran, beruflich irgendwann wieder dorthin zu kommen. Aber der Sport hat mir auch geholfen, hier neue Freunde kennen zu lernen. Ich würde sagen, dass etwa 80 % der Leute, die ich mittlerweile kennen und schätzen gelernt habe, Radsportler oder Triathleten sind. Einfach alles so verrückte Leute, wie ich einer bin. Und jetzt ziehe ich auch noch in eine Radsportler-WG! Einfach verrückt.

Ach ja, und ich würde Marburg niemals meine neue Heimat nennen. Es ist mein neues Zuhause aber meine Heimat liegt im Bayerischen Wald!

 Deine liebste Regensburger Runde, nochmal der Vollständigkeit halber?

Entweder nach Kelheim und die Schießstätte hoch, danach die Runde nach Belieben verländern. Oder Donaustauf, nach Falkenstein hoch und dann ein bisschen durch den Bayerischen Wald um über Wörth wieder zurückzufahren.

Und dein Lieblingsrennen? Schließlich geht’s um Rennen fahren, nicht um viel trainieren…

Ich liebe die Zeitfahren des Landkreiscups Kelheim, ansonsten habe ich mehrere Rennen auf die ich mich jedes Jahr freue: Pförring, Passau und mein neues Lokalrennen in Marburg Rund um den Elisabethbrunnen. Ein absolutes Lieblingsrennen gibt es nicht.

Mal weg vom Radsport. Angenommen, du hättest all die Stunden nicht im Sattel gesessen, was hättest du gemacht?

Gute Frage. Wahrscheinlich wäre ich brutal fett geworden, hätte mich stundenlang vor dem Fernseher gelangweilt und hätte keinen meiner aktuell besten Freunde kennen gelernt. Ich bin also froh, dass dieser Gedanke nur eine Annahme und keine Realität ist.

Wenn du mit einem Profi trainieren könntest, wer wäre das? Egal, ob noch aktiv oder nicht und auch die Toten beziehen wir mal in die Überlegung mit ein.

Ich bin ein riesengroßer Fan von Jan Ullrich. Für mich ist und bleibt er der größte Radsportler aller Zeiten. Oder aber mit Jens Voigt, die wahrscheinlich coolste Breze im aktuellen Profizirkus.

Und wo wir wieder beim Training sind, wie bekommt man Berufsleben und Leistungssport unter einen Hut? Gibt es ein Patentrezept?

Ich hatte bisher mit meinen Chefs wahnsinnig viel Glück. Sowohl in Regensburg wie auch in Marburg hatte ich immer alle Freiheiten, mir mein Training frei einteilen zu können. Ein strukturierter Tagesablauf hilft ziemlich viel und das muss ich sowieso als Wissenschaftler drauf haben. Und wenn man seinen Sport lebt und das was man macht mit Überzeugung macht, fällt das einem auch nicht schwer.

Schonmal gedacht, dass geht einfach nicht zusammen? Gezweifelt?

Sicher habe ich manchmal gezweifelt. Ich hatte schon etwas Bammel vor meinem neuen Job in Marburg. Ich kann mir ja ein Leben ohne den Radsport nicht mehr vorstellen. Ich denke, da würde ich eher die Stelle aufgeben als den Sport.

Wie reagiert man dann?

Ich bin direkt zu meinem Chef gegangen und habe ihm erklärt wie wichtig mir der Sport ist und dass ich das brauche, um belastbar und gut gelaunt zu sein. Der Sport ist mein seelischer Ausgleich. Er hatte zum Glück viel Verständnis dafür und unterstützt und bestärkt mich sogar in dem, was und wie ich es mache.

Was kannst du für dich als Mensch aus dem Leistungssport ziehen? Hat es deine Persönlichkeit verändert?

Es hat mich auf jeden Fall als Mensch verändert. Die Zielstrebigkeit und Durchsetzungskraft aus dem Sport hat sich auch auf mein restliches Leben übertragen. Ich denke, ohne den Radsport wäre ich heute nicht da wo ich bin. Außerdem hätten wir uns dann wahrscheinlich auch nie kennen gelernt.

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