Unter Tage

Eigentlich mutet es seltsam an, wenn man sich eingesteht, dass man die U-Bahn mag. War bei mir aber schon immer so und auch nicht stadt-spezifisch. In jeder Großstadt, die mit einer ausgestattet war, hat sie mir gefallen.

Um das Seltsame daran ein wenig zu hinterfragen, folgen meine Gedanken zur U-Bahn. Ich mag die Tatsache, dass es dort immer gleich riecht. Man fährt die Treppen runter und weiß genau, wo man ist.

Die Menschen dort verhalten sich eigentlich stets auf die gleiche Art und Weise. Es gibt viel weniger Archetypen als oberhalb der Erde. Drängler und Nicht-Drängler wäre meine erste Vermutung, wie man sie denn unterscheiden soll.

Aber es mischen sich (wenngleich nicht im Berufsverkehr) immer wieder Touristen bei, die ziellos an die Decke schauen und sich an den installierten Plänen zu orientieren versuchen.

Ich mag auch die Fahrt von einem Ende der Stadt ans andere, ohne etwas anderes zu sehen als die schwach beleuchteten Tunnelwände vor den Fenstern. Als wäre es völlig irrelevant, welchen Weg man zurücklegt. Die U-Bahn-Stationen bilden ein eigenes Habitat. Man erfährt via Leinwand, was oben geschiet.

Was mich immer wieder fasziniert sind die Taktungen der Züge. Das Uhrwerk, das funktionieren muss und in dem alles aufeinander abgestimmt ist. Und das Chaos, sobald ein Zug nur Augenblicke zu spät abfährt, sich die Pläne verschieben und eine Kettenreaktion beginnt, die oft erst Stunden später endgültig behoben sein wird. Die Hektik der Menschen, die dann einsetzt, damit sie genau den Zug direkt vor sich nehmen können, egal wie voll er auch sein mag, statt Sekunden später mit einem bereits wartenden, völlig leeren Zug fahren zu können.

Das führt mir jedes mal wieder vor Augen, wie begrenzt die Rationalität der Menschen eigentlich ist. Und, dass man in der Volkswirtschaftslehre durchaus noch einmal Modellkritik üben sollte. Schließlich verzögert sich die Abfahrt mit jedem weiteren Fahrgast, der die Tür blockiert. Und der nächste Zug wird unnötig gebremst, sodass schlussendlich keiner vorankommt.

Deshalb genieße ich die Tage, wenn es einmal leerer ist. Wenn Stationen verwaisen, was so selten passiert, dass man den Moment einfangen muss.

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