Don’t be a maybe

Wenn 2012 in seiner Endgültigkeit und Apokalypse-geschwängerten Vorahnung zu etwas gut sein kann, dann zu einer kompromisslosen Einstellung gegenüber Entscheidungen.

Rückwärtsinduktion würde uns zwingen, für jeden Tag einen Plan in der Tasche zu haben. Zumindest einen Plan, denn der Strategienraum kann nicht endlich sein. Denn unsere Umwelt wird kaum jemals innehalten, um uns einen Moment der Entspannung zu gönnen. Was wiederum bedeutet, dass unsere Strategien ständig angepasst werden müssen und die bislang beste Reaktion oder Planung in kürzester Zeit über den Haufen geworfen werden kann.

Nun wirbt eine Zigarettenmarke aktuell mit einer Kampagne, deren Hauptinhalt auf „be“ zusammengefasst wird. Entscheidungsfreude ist keine Tugend der Generation Y. Von einer Vielzahl an Möglichkeiten schier erdrückt, irrt man umher, in der Hoffnung, das Richtige zu wählen oder zu tun. Der großartige TED Talk von Barry Schwartz bringt das auf den Punkt.

Das alles tippe ich übrigens im Zug. Weil ich irgendwo mal gelesen habe, dass sich der Geist dem Körper anpassen würde. Und bei Bewegung (zum Beispiel Nachfahrten im Auto) frei mäandern könne. Außerdem habe ich einmal gelesen, dass die Indianer der Überzeugung waren, der Geist könne sich nur mit circa 30 km/h bewegen. Und sollte der Körper schneller sein, dann müsse der Geist eben nachkommen und aufholen. So seltsam es klingt, für mich macht das Sinn. Und ich bin häufig genug erst nach einigen Tagen wirklich an meinem Ziel angekommen. In diesem Jahr scheint meint Geist ein wenig verloren und irrt vermutlich noch auf der Autobahn zwischen Zürich und München umher, während mein Körper schon im Zug nach Hamburg sitzt. Hoffentlich kann er die A7 ab dem Memminger Kreuz nehmen und direkt nachkommen… Immerhin habe ich von den 19 Tagen des Jahres nur 8 Nächte in meiner Wohnung verbracht, den Rest auf Sofas, in Hotelbetten oder einfach im Club.

Solch Dinge schreibe ich, das sei an dieser Stelle noch einmal deutlich erwähnt, nicht, um zu verblüffen. Zumindest nicht dauerhaft. Vielmehr wünsche ich mir, die geneigte Leserschaft setzt sich mit den Gedanken auseinander. Denn schlussendlich ist es das, was uns zu Menschen macht. Die Möglichkeit, alles zu durchdenken. Und mag es noch so seltsam anmuten, sollte man sich vor der eigenen Gedankenwelt nicht fürchten oder sich ihr gar entziehen (vermutlich der Grund, warum ich das Konzept des Filmes „Inception“ so interessant gefunden habe).

Zurück zum Thema: wie kann es passieren, dass Einfachheit Kern einer Kampagne werden kann? Ich davon überzeugt, dass die Aufnahmefähigkeit des Menschen sehr endlich ist. Und die im TED Talk erläuterte Überforderung aufgrund der Wahlmöglichkeiten uns zu dem Wunsch treibt, weniger zu haben. Weniger zu können. Aus weniger wählen zu müssen.

Und sobald eine Entscheidung getroffen ist, darf man nicht länger, und hier laufen die Fäden zusammen, darüber grübeln, was sonst gewesen wäre. Ein Schachspiel bestreitet man in den seltensten Fällen in Gedanken an die letzten neun Züge oder die vielen nicht gewählten Alternativen des aktuellen Zuges. Vielmehr gelten die Überlegungen den nächsten neun.

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